Blick zum Grossglockner vom Hotel Lärchenhof Heiligenblut

Heiligenherzblut

Von Ulli Cecerle-Uitz

Nicht suchen nach dem Glück, finden.

So manche Magie erklärt sich in dieser einfachen Formel. Ich habe Heiligenblut nie gesucht. Vor vielen Jahren wurde ich verführt zu diesem Ort. Ein Ort, der den Skizirkus, die lautstarken Akrobatenauftritte und berauschenden Dompteurstücke, die Hochseilakte und schwindelerregenden Trapezeinlagen der gängigen „Skiszenen“-Trends beinah unbeschadet überstanden hat.

Heiligenblut ruht.

Und das ist wahrscheinlich die beste Nachricht. Keine pulsierenden Disconächte, keine Seitenblicke. Promis, Schickis, Mickis und Schnapspumpen – Euch wird langweilig werden! Nicht allzu viel vom berüchtigten Hüttenzauber, der meist ausartet im angestrengt unappetitlichen Beweis, sich in der Freizeit über die Maßen amüsieren zu müssen. Den geschäftstüchtigen Marketingzeigefingern zum Trotz hat Heiligenblut seine Würde bewahrt. Bettenhochburgen für finanzstarke Massenversorgung sind dem sagenumwobenen Kärntner Bergort weitgehend erspart geblieben. Auch Disneylandbauten aus Zuckerguss und Holzschindeln blieben aus. Es riecht hier nicht nach Piefkesaga.

Heiligenblut ist unspektakulär.

Und eben darin grandios und überwältigend. Morgens einzutauchen in eine hochalpine Winterwelt, ist betörend. Die Lage: ganz am Ende des verzweigten Mölltals und am Beginn der Glocknerstraße. Unwissende möchten fast vermuten, die Heiligenbluter haben sich diesen Platz in weiser Voraussicht ausgesucht, um sich möglichst lange abzuschirmen. Dabei fasziniert die dramatische Geschichte von Briccius, der am Weg über die Alpen – im Gepäck ein Fläschchen mit dem Blut Christi – von einer Lawine verschüttet wurde. An jener Stelle wuchsen daraufhin Rosen durch den Schnee. Ehrerbietung an den Heiligen, Errichtung einer Kapelle, der Rest ist Geschichte.

Heiligenblut liebt mich.

Das spüre ich deutlich, wenn ich Jahr für Jahr in Aufregung und Vorfreude zum ersten Mal oben auf der Hochfleiß stehe. Vor mir der Großglockner. Hinter mir die Sintflut. Und in mir das, wofür ich alljährlich wiederkomme: Ein wenig Frieden.

Text: Ulli Cecerle-Uitz
Foto: Christoph Cecerle

Ulli und Christoph sind mit ihrer Familie langjährige Heiligenblut Liebhaber und Lärchenhof Freunde.

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