Blick auf Heiligenblut, signiert, datiert F. Lepie 1868

Das Klima in Heiligenblut

In seiner umfassenden Chronik „HEILIGENBLUT DAS GLOCKNERDORF“ beschreibt Autor Rudolf Franz Ertl das Klima und die Wetter-Phänomene von Heiligenblut ausführlich. Besonders interessant sind auch die Wetterzeichen, die von den Heiligenblutern seit Jahrhunderten überliefert werden und für Tätigkeiten in der Landwirtschaft nach wie vor ein Anhaltspunkt sind.

Unterschiedliche Klimazonen in Heiligenblut

Das Gemeindegebiet von Heiligenblut reicht von knapp über 1.000 m Seehöhe im Mölltal über die Bergwald-, Krummholz-, Hochgebirgs- und Polsterrasenstufe bis hinauf in die Schnee- und Eisregion der Dreitausender mit dem Großglockner (3798 m) als höchster Erhebung. Das bedeutet, dass allein innerhalb des Heiligenbluter Gemeindegebietes Klimazonen von der gemäßigten Zone bis zum Polarkreis übereinander gestaffelt sind. Das Glocknergebiet besitzt ein überwiegend vom Atlantischen Ozean her maritim beeinflusstes Klima. Zeitweise machen sich freilich auch der festländische Einfluss Osteuropas und selbst der maritime des Mittelländischen Meeres bemerkbar.

Der Luftdruck nimmt mit wachsender Meereshöhe ziemlich rasch ab. Während im Mölltal bei der Judenbrücke noch ein mittlerer Luftdruck von 670 mm herrscht, beträgt er auf dem Großglocknergipfel nur mehr 473 mm. In gleicher Weise, wie mit zunehmender Höhe der Sauerstoffteildruck abnimmt, verstärkt sich die Intensität der Gesamtstrahlung, wobei der UV-Strahlung besondere Bedeutung zukommt.

Blick von der Hochfleiss zum Sonnblick

Enorme Temperaturschwankungen in den Tallagen

Die stärksten Temperaturschwankungen finden sich in den Tallagen, die jahreszeitenbedingt zwischen +30° C und -30° C schwanken. Obwohl auf der Adlersruhe (3454 m) im Sommer die Tageshöchsttemperaturen bis zu + 12° C erreichen können, beträgt hier das Temperatur-Jahresmittel -8,8° C. Das ist wesentlich kälter als in Novaja Semlja oder Obdorsk in Sibirien.

Jauk, Tauernwind & Co

Die in den Gipfelregionen herrschende Windgeschwindigkeit ist durchschnittlich knapp dreimal so stark wie in den Tallagen. Meteorologen haben festgestellt, dass in der Glocknergruppe in den Höhenlagen um 3000 mim Durchschnitt im Jahr 99 Tage mit stürmischen Winden (mehr als 37 km/h) zu erwarten sind. Windhöchstgeschwindigkeiten von 140 km/h sind eher selten.

Einer der gefährlichsten Winde ist der „Jauk“, ein Tauwind, der im Winter mit steigender Sonne einsetzt und Lawinen löst. Beliebt, vor allem zur Zeit von Heumahd und Getreidereife, aber auch von den Urlaubsgästen ist der „Tauernwind“, das ist ein über Pfandlscharte und Hochtor aus dem Salzburgischen herüberstreichender Nordwind, der zumeist andauerndes Schönwetter bringt. „Wann der Tauernwind ausputzt, werds sehen!“

Niederschläge und Gewitter

Baldiges, meist andauerndes Regenwetter hingegen kündigen die Nebel in der Stockerscharte zwischen den Leiterköpfen an. Bekommt der Wasserradkopf eine Wolken- oder Nebelhaube, so ist innerhalb der nächsten Tage mit Regenwetter zu rechnen. Auch Steinlawinen gelten nach Tritschel als sichere Vorboten von Schlechtwetter.

Blick vom Gössnitztal Richtung Scharek und Großglockner Hochalpenstrasse

Die Niederschläge nehmen mit der Höhe zu. Während es im Ortsteil Hof im Jahresdurchschnitt nur 900 mm sind, so ergaben Messungen im Guttal 1580 mm, beim Glocknerhaus 1700 mm, bei der Oberwalderhütte 2400 mm und auf dem Glocknergipfel über 3000 mm, das sind 3000 Liter pro Quadratmeter. Kein Wunder, dass die Energiewirtschaft beim Bau des Wasserkraftwerkes Glockner-Kaprun an den riesigen Wassermengen aus dem Glocknergebiet interessiert war. Dabei sollte man bedenken, dass die Wassermengen aus den Niederschlägen um die Schmelzwasser der von Jahr zu Jahr permanent immer weiter abschmelzenden Gletscher vermehrt werden.

Bergsteiger wissen, dass der September auch im Raum Heiligenblut die geringste Niederschlagshäufigkeit aufzuweisen hat, eine ideale Zeit für Bergwanderungen. Überdies nimmt im Herbst die Gewitterhäufigkeit deutlich ab. Beobachtungen über Jahrzehnte haben ergeben, dass im Durchschnitt nur an 23 Tagen pro Jahr (nach Tollner an 12 bis 34 Tagen) in der Glocknergruppe Gewitter auftreten. Ein besonderes Phänomen in gewittrigen Nächten, das auch am Sonnblick Observatorium bereits vielfach beobachtet werden konnte, ist das Elmsfeuer, ein geisterhaftes Leuchten speziell an Metallteilen, wie Blitzableitern und Drahtseilen.

Gemsen Quelle Wikimedia, Autor  I, Svetovid

Liegen die Gemsen in der Sonne, bleibt das Wetter schön, ziehen sie in den Schatten, so sind Regen oder Schnee nicht weit. Ein sicheres Zeichen für ein herannahendes Gewitter, lange bevor sich die drohenden Wolkenberge bilden, ist das „Büscheln“ der Rinder. Die Insekten, wie „Fliegen und Bremsen“ werden vor Gewittern besonders zudringlich und quälen das Vieh, das zunächst verstärkt mit den Schweifen schlägt, dann mit hocherhobenen Schweifen wilde Sprünge vollführt und letztlich den Schatten aufsucht. Im Hochsommer manchmal mit elementarer Wucht einsetzende Wetterstürze bringen zumeist große Niederschlagsmengen und lösen Erdrutsche aus. Ziegen haben im Herbst für den bevorstehenden Schneefall eine besonders feine Nase und gehen selbständig zu Tal. Die Schafe leider nicht.

Eine schneesichere Region

Dank des Klimas fällt schon zeitig im Herbst der erste Schnee. Die jährlichen Schneemengen reichen von etwas mehr als einem halben Meter in den tiefstliegenden Regionen bis zu mehr als fünf Metern in Höhenlagen über 3000 m, wobei dort die größte Schneehöhe erst im Mai erreicht wird. Die Lawinen sind eine nach wie vor nicht zu unterschätzende Gefahr, obwohl heute viele Lawinensicherungsbauten die bebauten Gebiete schützen.

Quelle
Auszug aus Kapitel 3 „Das Klima – einst und heute“, Seite 31 – 33, HEILIGENBLUT DAS GLOCKNERDORF – 2 revidierte und erweiterte Auflage: Copyright 2007 by Eigenverlag der Gemeinde Heiligenblut, mit freundlicher Genehming des Autors Rudolf Franz Ertl.

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